Baureihe 86

 

Kurzbeschreibung der Baureihe 86

Die Baureihe 86 wurde als Einheits-Güterzugtenderlokomotive von der Deutschen Reichsbahn entworfen. Sie war für den Einsatz auf den Nebenstrecken vorgesehen und wurde von fast allen für die Reichsbahn tätigen Unternehmen geliefert. Die ersten Lieferungen waren noch mit Bissel-Laufachsen ausgerüstet, die Maschinen mit den Betriebsnummern 86 293-296 und ab der Nummer 86 336 erhielten aber Krauss-Helmholtz-Gestelle. Dadurch konnte die Höchstgeschwindigkeit von 70 auf 80 km/h heraufgesetzt werden, die Gesamtlänge wuchs auf 13.920 mm. Ab 1942 wurde sie in einer vereinfachten Form als Übergangskriegslokomotive (ÜK) gebaut. Im Zeitraum von 1928 bis 1943 wurden 775 Exemplare gebaut, von welchen alle bis auf zwei Maschinen (86 009 und 86 016) nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgefunden wurden.

Den Lokomotiven wurden Betriebsnummern zwischen 86 001 und 86 966 (mit Lücken) zugeordnet, eine weitere Lok kam von der Eutin-Lübecker Eisenbahn (ELE) als Lok "86 1000" zur DR.

 

Verbleib nach dem Zweiten Weltkrieg

385 Maschinen verblieben auf dem Netz der Deutschen Bundesbahn in Westdeutschland, wovon 8 Lokomotiven wegen Kriegsschäden bis 1952 ausgemustert wurden. Die bei der N.S. in den Niederlanden vorgefundene Lok 86 520 wurde an die DB abgegeben.

Die Deutsche Reichsbahn konnte nach Abgabe von 71 Loks an die Sowjetischen Eisenbahnen (SŽD) von dann noch vorhandenen 172 Exemplaren 164 in den Betriebsbestand aufnehmen.

In Österreich fand die ÖBB fand 27 Maschinen vor, wovon zwei wegen schweren Schäden ausgemustert wurden und eine (die Lok 86 477) an die SŽD abgegeben werden musste. 1950 erhielt die ÖBB aus Ungarn drei Maschinen, somit wurden 27 Lokomotiven in Österreich in Betrieb genommen.

Die Tschechoslowakische Staatsbahn (ČSD) hatte insgesamt 69 Lokomotiven vorgefunden, wovon 7 Exemplare aufgrund ihrer ursprünglichen Beheimatung in Sachsen als sowjetische Beute galten und an die SŽD abgegeben werden mussten. Weitere Loks wurden mit der DR und der DB ausgetauscht. Schlußendlich nahm die ČSD allerdings nur 26 Loks als Baureihe 455.2 wieder in Betrieb.

Bei der Polnischen Staatsbahn (PKP) wurden von 46 aufgefundenen 45 Lokomotiven als TKt3-1 bis TKt3-45 in Betrieb genommen.

Zwei Maschinen gelangten direkt zur Sowjetischen Eisenbahnen (SŽD), somit konnte die SŽD (einschließlich aller beschlagnahmten Lokomotiven) 84 Maschinen einsetzen.

 

Anzahl heute noch vorhandener Lokomotiven

Insgesamt sind 13 Lokomotiven erhalten (also nur 1,68 % aller gebauten Lokomotiven), davon sind 12 als Museumslokomotive in mehr oder weniger gepflegtem Zustand erhalten und nur eine(!) Maschine ist derzeit betriebsfähig (Lok 86 333).

(Stand Januar 2012)

 

Technische Daten der Baureihe 86

Bauart 1'D1' h2
Gattung Gt 46.15
Länge über Puffer 13.820 mm
Höhe 4.165 mm
Fester Achsstand 5.100 mm
Gesamtachsstand 10.300 mm
Dienstgewicht 88,5 t
Achslast 15,6 t
Höchstgeschwindigkeit 70 km/h (vorwärts und rückwärts)         
Leistung 1.030 PSi
Treibraddurchmesser 1.400 mm
Laufraddurchmesser 850 mm
Steuerungsart Heusinger mit Hängeeisen
Zylinderanzahl 2
Zylinderdurchmesser 570 mm
Kolbenhub 660 mm
Kesselüberdruck 14 bar
Anzahl der Heizrohre 110
Anzahl der Rauchrohre 26
Heizrohrlänge zwischen den Rohrwänden           4.500 mm
Rostfläche 2,39 m2
Überhitzerfläche 47,00 m2
Verdampfungsheizfläche 117,37 m2

 

Quellen im Internet:

Baureihe 86 in der freien Enzyklopädie Wikipedia

 

Quellen in den Printmedien:

Andreas Knipping: Die Baureihe 86 - Das Arbeitstier für Nebenstrecken (EK-Verlag Freiburg 1987, Neuauflage 2008, ISBN 3-88255-186-0)

Dirk Endisch: Sachsenquintett – Die letzten 86er der Deutschen Reichsbahn in Edition Fahrzeug-Chronik 2, ISBN 3-936893-01-2

Manfred Weisbrod, Horst. J. Obermayer: Die Baureihe 86 (Eisenbahn-Journal Sonderheft II/94), Fürstenfeldbruck 1994

Lok Magazin Ausgabe 6/2012 (Seiten 44ff)

 

 

© EMF 2012-01-14